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Weihnachten in der Kansai-Region
Von Glühwein, Käthe Wohlfart und Bratwurst mit Stäbchen
Wenn es in der Kansai-Region weihnachtet, dann geschieht dies bei frühlingshaften Temperaturen um 18° Celsius. Deutliches Kennzeichen für den Beginn der Vorweihnachtszeit ist neben einem Blick in den Kalender dann wohl eher die überall auf der Welt notwendige Werbung in den Geschäften und Kaufhäusern.
Der eigentlich gerade erst begonnene Herbst setzt derweil seine eigenen Akzente,
welcher die Blätter in kräftigen weinroten Farben tönt. Um den Überblick zu behalten, an welchen Stellen in der Region die Bäume in welchen Farben leuchten, offenbart sich einmal mehr die vorherrschende Detailliebe. An den Bahnhöfen der Hankyu-Bahn geben Plakate eine aktuelle Auskunft über den farblichen Zustand der Blätter. Dies erfolgt ganz einfach: Auf dem Plakat sind herbstliche Fotos verschiedener Regionen abgebildet, darunter eine kleine Skala. Je nach Fortschritt der Färbung wird ein gelber, roter oder schließlich brauner Aufkleber in Form eines Blattes dort hinein geklebt. Dies geschieht natürlich manuell durch das Bahnhofspersonal.
Um an der kurzen Vorweihnachtszeit teilzuhaben, ist es notwendig, sich rechtzeitig
über anstehende Termine zu informieren. Das spricht sich jedoch schnell herum, und so sind wir während unseres Aufenthaltes auch in zwei Veranstaltungen involviert.
Und das kam so. In Umeda, einem bekannten und modernen Stadtteil Osakas mit
einem famosen Elektronikkaufhaus, findet seit einigen Jahren ein Weihnachtsmarkt statt; nicht irgendeiner, sondern ein deutscher mit einem ebensolchen Namen: „Heidelberger Weihnachtsmarkt".
Die Lage ist imposant. Im Innenhof des futuristischen Sky Buildings, das sich in eine Höhe von etwa 170 Metern erhebt und aus zwei Türmen besteht, welche in lichter Höhe miteinander verbunden sind, in jenem Innenhof also, sind etwa 20 Holzbuden aufgebaut. Diese können sich, was Aussehen und Angebot angeht, wohl mit jedem guten deutschen Weihnachtsmarkt messen. Hier gibt es Bratwürste endlich mal mit knusprigen Brötchen, Käthe Wohlfart´s Christbaumschmuck und vor allen Dingen Glühwein. Zum Auftakt singen bereits seit einigen Jahren in Folge die Kinder der Deutschen Schule aus Kobe deutsche, englische und japanische Lieder. Unsere Kinder gehören zwei Jahre ebenfalls zu den Interpreten; wenn auch nicht in der ersten Reihe. Am Rande können wir zum ersten Mal beobachten, dass man Bratwurst sehr wohl auch mit Stäbchen essen kann.
Der zweite weihnachtliche Kontakt erfolgt an der Deutschen Schule in Kobe. Dort
findet immer der beliebte Weihnachtsmarkt statt. Beliebt insbesondere unter den
zahlreichen japanischen Besuchern. So lohnen sich die vielen Vorbereitungen und ein „echter" Weihnachtsmann darf natürlich nicht fehlen. Veranstalter ist der Schulverein.
Das Engagement der Eltern ist hier im Übrigen, trotz oder weil es eine Privatschule ist, offenbar noch stärker als in Deutschland. Unser Weihnachtsbaum reicht fasst bis knapp unter die Zimmerdecke, nadelt kaum, hat überall eine schöne Seite und war recht preiswert. Jedoch riecht er nicht nach Tanne und lässt sich auch nur in zwei Teilen transportieren; es ist nämlich ein Künstlicher. Das erste Mal seit unseren Kindertagen gibt es in Japan keinen echten Baum mit Wachskerzen.
Wenigstens fiel die Kaufentscheidung leichter als sonst in Deutschland. Man kennt das ja: Meist ein regnerischer Tag und keiner hat so richtig Lust. „Schau doch mal diesen!", „Ach, der ist unten viel zu dick und oben zu dünn.", „Wir wollten doch diesmal einen größeren!" usw. Im Gartencenter eines japanischen Baumarkts in Kobe,
westlich von Osaka, gibt es eine Woche vor Heiligabend etwa sechs echte, eher schlichte Tannenbäume (mit Wurzeln!) ab umgerechnet 50 Euro pro Stück aufwärts. Anschließend entdecken wir dann noch einige jener unechten Exemplare in der Haupthalle. Die meisten jedoch bereits komplett geschmückt und deswegen nicht unbedingt schöner. Letztendlich entscheidet dann der Preis und wir ziehen mit dem einzigen ungeschmückten, aber künstlichen Weihnachtsbaum davon. Eingepackt in zwei großen Plastiktüten.
Zum Abschluss des „Heidelberger Weihnachtsmarktes" lädt das Sky Building übrigens zu einem grandiosen Ausblick von seiner Aussichtsplattform über das nächtliche Osaka ein, das funkelt und leuchtet wie ein bunter Sternenhimmel. (Sebastian Schiller)
(Unser Mitglied Sebastian Schiller lebte mit Frau Christiane sowie den Söhnen Felix (12) und Simon (10) anderthalb Jahre in Kobe westlich von Osaka)
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