Vortrag über Dr. Nobutsugu Koenuma (1909-1946) – ein japanischer Arzt in Wriezen von Dr. Reinhard Schmook

Datum/Zeit
Mo, 15.06.2020
18:00 - 19:00 Uhr

Veranstaltungsort
Japanisch-Deutsches Zentrum Berlin (JDZB)

Kategorien


Auf dem Kirchhof der kleinen brandenburgischen Stadt Wriezen liegt seit 1946 der Arzt und Wissenschaftler Dr. Nobutsugu Koenuma, geboren im japanischen Hachioji, begraben.

Wie kam er 1945 hierher und warum  wird er heute in Deutschland und Japan gleichermaßen verehrt?

Nach seinem Medizinstudium an der Nihon Medizinischen Hochschule in Tokio wurde er 1934 zum Dr. med. promoviert. Anschließend beschäftigte er sich bis 1937 als wissenschaftlicher Assistent an der Tokioter Universität mit strahlenbiologischen Problemen. 1937 wurde er als Regierungsstipendiat nach Deutschland geschickt, wo er in Berlin seine Forschungen zur Strahlenmedizin fortsetzte. Aus jener Zeit sind  von ihm 23 hochkarätige wissenschaftliche Abhandlungen bekannt.

Als die Rote Armee Ende April 1945 die Reichshauptstadt Berlin erobert hatte, verschlug es ihn in die nordöstlich der Hauptstadt gelegene Stadt Eberswalde. Als ihm die Niederlassung als praktischer Arzt dort misslang, schickte ihn der sowjetische Bezirkskommandant nach Wriezen, wo die überfüllte Seuchenstation des Krankenhauses dringend einen leitenden Arzt brauchte. Hier rettete Dr. Koenuma zahlreichen Typhus-Patienten das Leben, ohne sein eigenes zu schonen. Das haben ihm die dankbaren Wriezener niemals vergessen und ihn posthum zum Ehrenbürger ernannt. Nach sechs aufopferungsvollen Monaten, in denen er sich Tag und Nacht unter schwierigen Begleitumständen um Patienten wie Mitarbeiter gleichermaßen kümmerte, war er mit seiner Kraft am Ende. Auch er bekam das tödliche Typhusfieber und verstarb am 8. März 1946 im Alter von erst 36 Jahren.

Die Erinnerung an Dr. Koenuma ist sowohl in Wriezen als auch in Hachioji sehr lebendig. Es gibt einen regen Austausch zwischen den Städten und auch gegenseitige Besuche. Vor allem junge Menschen nehmen Anteil am Schicksal des Arztes, dessen christlich geprägte Nächstenliebe und dessen Berufsethos stärker waren die Folgen von Krieg und Verderben.

Dr. phil. Reinhard Schmook, Jahrgang 1951, hat an der Humboldt-Universität zu Berlin Deutsche Volkskunde studiert und ist 1988 in diesem Fach promoviert worden. Seit 1977 leitet er das Oderlandmuseum Bad Freienwalde, eines der ältesten brandenburgischen Museen (gegr. 1889). Von ihm stammen zahlreiche Veröffentlichungen zur Kulturgeschichte und Volkskunde des Oderlandes einschließlich der Neumark sowie einschlägige Ausstellungskonzepte.

Nach dem Vortrag von Dr. Schmook können Sie ein Konzert mit dem in Japan bekannten Sänger Yusuke Tominaga erleben. Er hat ein Lied über Dr. Koenuma aufgenommen und ist Botschafter der Geburtsstadt von der Dr. Koenuma, der Stadt Hachioji.

Bookings