Was ist japanische Küche? Aushandlungsprozesse in der japanischen Gastronomie Berlins. Ein Vortrag von Prof. Cornelia Reiher

Datum/Zeit
Di, 05.05.2020
18:00 - 19:30 Uhr

Veranstaltungsort
Japanisch-Deutsches Zentrum Berlin (JDZB)

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Die japanische Küche hat in Deutschland nach dem Sushi-Boom um die Jahrtausendwende große Popularität gewonnen. Aber was ist „die japanische Küche“ und wer darf bestimmen, was darunter zu verstehen ist? Zu den neueren kulinarischen Trends aus Japan gehören Nudelsuppen, Grüntee-Variationen, Süßspeisen und Backwaren. Die japanische Küche hat sich im letzten Jahrzehnt insbesondere in Berlin differenziert. Unzählige Neugründungen japanischer Restaurants ermöglichen den Berlinern ganz verschiedene kulinarische Erfahrungen. Insbesondere junge japanische Frauen sind hier unternehmerisch tätig oder interpretieren als Angestellte in Restaurants und Bäckereien die japanische Küche (neu). Gleichzeitig müssen die Betreiber japanischer Restaurants auf urbane Food Trends wie vegan, glutenfrei und bio reagieren und passen mitunter ihre Vorstellungen von japanischer Küche den Bedürfnissen ihrer Kunden an. In diesem Vortrag stellt Frau Prof. Reiher japanische Köch*innen und Restaurantbesitzer*innen aus Berlin und deren Visionen von japanischer Küche vor und zeigt Verbindungen zu ihren Biographien und Migrationsgeschichten auf. Im Zentrum des Vortrags werden ihre Perspektiven auf die japanische Gastronomie in Berlin sowie ihr Verständnis von japanischem Essen in urbanen Settings außerhalb Japans stehen. Anhand von Interviews und Beobachtungen, die Frau Prof. Reiher seit 2015 in der japanischen Gastronomie Berlins erhoben hat, diskutiert sie Strategien im Spannungsfeld zwischen eigenen Ansprüchen und Kundenwünschen und hinterfragt das Konzept „ethnischer Küchen“ bzw. „nationaler Küchen“. Sie setzt sich mit den Interpretationsspielräumen kulinarischer Akteure außerhalb Japans vor dem Hintergrund von gesellschaftlichem Wandel und Migration auseinander.

Cornelia Reiher ist Professorin für Japanologie an der Freien Universität Berlin. 2012 promovierte sie sich mit einer Arbeit zu lokalen Identitäten und ländlicher Revitalisierung an der Universität Leipzig. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Lebensmittelsicherheit, die Globalisierung der japanischen Küche, transnationale und Stadt-Land-Migration, Japans ländliche Räume sowie die Methodenausbildung in der Japanologie. Zu ihren neuere Veröffentlichungen gehören ein Themenheft über Feldforschung in Japan sowie mehrere Buchbeiträge über japanische Aktivisten in transnationalen Food Movements.

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