160 Jahre Japan-Deutschland
Ausstellung der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Berlin

vom 25. Januar bis 18. September 2021 im Gesundheitszentrum Potsdamer Platz (Eichhornstr. 2)

Wir freuen uns sehr, dass es im Jubiläumsjahr wieder eine Ausstellung der DJG Berlin geben wird, an der 22 Künstler teilnehmen werden. 10 japanische und 12 deutsche Künstler stellen gemeinsam aus, das ist ein Beweis für die lebendige Freundschaft zwischen unseren Völkern.

Die Genre sind vielfältig: Von Gemälden in Öl, Acryl bis zu Tuschmalerei, Objekten und künstlerischen Fotografien reicht das Spektrum. Da es sich um eine Verkaufsausstellung handelt, unterstützen wir so auch die Künstler in dieser schwierigen Zeit.

Die Eröffnung der Ausstellung wird genau an dem Tag stattfinden, an der der Vertrag über Handel und Schifffahrt zwischen Preußen und Japan vor 160 Jahren geschlossen wurde: dem 24. Januar. Sie soll ein Auftakt zu einer Reihe von Veranstaltungen zu diesem Jubiläum sein, wir planen eine Vortragsreihe im Berliner Rathaus, Konzerte und den 9. Manga-Wettbewerb der DJG ab April, der in diesem Jahr unter dem Titel „Distanz und Nähe“ stehen wird.

Wir werden versuchen im Herbst eine Finissage zu organisieren, da eine Vernissage mit vielen Teilnehmern im Moment leider nicht möglich ist.

Möglichkeiten der Besichtigung:
25. Januar 2021 bis 18. September 2021
jeweils montags-freitags von 8 Uhr – 20 Uhr
(Öffnungszeiten des Gesundheitszentrums)

Die Anfänge deutsch-japanischer Beziehungen
Deutsche in Japan

Das Kaiserreich Japan wurde seit Ende des 12. Jahrhunderts durch Shogune genannte Militärs regiert, während die Kaiser nur formell die Staatsspitze repräsentierten. Die früheste Kunde von der Existenz Japans brachte der Venezianer Marco Polo nach Europa. Er hatte Ende des 13. Jahrhunderts am Hofe des Mongolenherrschers Kubilai Khan von einem Land namens Zipangu erfahren, wo die Paläste angeblich goldene Dächer hätten. Diese Schilderungen weckten Begehrlichkeiten in Europa und so hatte Christoph Kolumbus das Buch Marco Polos dabei, als er 1492 den westlichen Seeweg nach Indien suchte. Auf Kuba meinte Kolumbus, Zipangu gefunden zu haben. Fünfzig Jahre später erreichten portugiesische Seeleute als erste Europäer Japan. Die Ankunft ihres Schiffes wird auf den 23. September 1543 datiert. Bald darauf versuchte der französische Jesuit Francis Xavier die Missionierung. Die japanische Regierung reagierte mit der Abschottung des Landes. Nur chinesische und holländische Kaufleute durften noch Handel treiben. Mit ihnen kamen die ersten Deutschen nach Japan.

Anfang des 17. Jahrhunderts waren in europäischen Seemächten eigene Gesellschaften für den Ostasienhandel gegründet worden. Neben der englischen erlangte besonders die Holländisch-Ostindische Kompanie große Bedeutung. Zentrum ihrer Tätigkeit in Ostasien war Batavia. Der Shogun Daimyo Ieyasu Tokugawa genehmigte 1609 die Eröffnung einer Faktorei in Hirado bei Nagasaki. Für die Kompanie war auch der Bronzegießer Hans Wolfgang Braun aus Ulm tätig. Seinem Vater Hans gehörte das Ulmer Gießhaus. Neben Kirchenglocken fertigte er auch Geschütze, sogenannte Böller oder Mörser. Sein Sohn ließ auf Befehl der japanischen Regierung 1639 in Hirado drei Bronzemörser gießen, deren Funktion in dem damals Edo genannten Ort Tokio geprüft wurde. Sie hatten einen Durchmesser von 25 und eine Länge von 85 Zentimetern und trugen den Namen des Gießers am Schaft. Ein Exemplar wurde im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen; eine Replik befindet sich im Militärmuseum in Tokio. Die Lebenspur von Hans Wolfgang Braun verliert sich bald darauf in Batavia.

Im Jahre 1641 wurde der Holländisch-Ostindischen Kompanie als einziger Standort in Japan die künstliche Insel Dejima im Hafen von Nagasaki angewiesen. Dort waren in ihren Diensten auch Deutsche tätig, wie die Mediziner Johann Jakob Mercklein aus Weinsheim und Caspar Schamberger aus Leipzig. Kontakte zum Festland hielten auf Dejima tätige Dolmetscher. In Japan dominierte damals die chinesische Medizin. Auf Dejima wirkte von 1690 bis 1692 der gebürtige Westfale Engelbert Kaempfer als Arzt. Er unternahm auch Reisen auf das Festland und verfaßte den ersten wissenschaftlichen Bericht über Japan, der elf Jahre nach seinem Tod in englischer Sprache und 50 Jahre später in der deutschen Fassung erschien. Dieses Buch blieb ein Standardwerk bis zur Wiederöffnung Japans Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Initiative dazu führten die Vereinigten Staaten von Amerika.

Die Wirtschaft und die Begründung der deutsch-japanischen Beziehungen

Nach der Expansion der Vereinigten Staaten von Amerika an die Pazifikküste geriet Japan in den Fokus ihrer Handelskreise. Mit der Entsendung von Kriegsschiffen wollte die Regierung der USA die Öffnung japanischer Häfen für den amerikanischen Handel erzwingen. Dem Kommodore Matthew Perry gelang am 31. März 1854 der Abschluß eines Vertrages, mit dem die über zweihundertjährige Isolation Japans endete. Keine drei Wochen später erreichte das preußische Handelsministerium das Schreiben des Kaufmanns Reinhard Ritterhaus aus Singapur mit der Empfehlung, einen ähnlichen Vertrag zu schließen.

Das Königreich Preußen war damals keine Seemacht und auch kein expandierender Staat. Dennoch ließ das Außenministerium über die Missionen in Washington, London und Paris Erkundigungen über den amerikanisch-japanischen Vertrag einholen. Das Konsulat in San Francisco übermittelte eine Abschrift. Im Jahre 1855 unternahm der Kaufmann Friedrich August Lühdorf von Hongkong aus mit der Brigg „Greta“ eine Reise nach Japan und sondierte die Möglichkeiten eines Vertrags mit Deutschland. Nach seinen Mitteilungen an das Handelsministerium gäbe es die Bereitschaft zur Einigung mit einem mit den nötigen Vollmachten ausgestatteten Emissär. Fünf Jahre später wurde der Vertrag durch Graf Friedrich zu Eulenburg am 24. Januar 1861 für Preußen geschlossen. Deutsche Firmen waren schon vorher in Japan tätig geworden.

Nach den USA hatte die japanische Regierung ähnliche Verträge mit Großbritannien, Rußland, Frankreich und den Niederlanden geschlossen. Für ihren Handel wurden die Städte Kanagawa und Nagasaki am 1. Juli 1859 geöffnet. Die Regierung wünschte die Ansiedlung der Fremden aber in dem Kanagawa benachbarten Ort Yokohama. Dort war auch der Sitz deutscher Firmen. Am 1. Januar 1863, bei Inkrafttreten des preußisch-japanischen Vertrags, öffnete in Yokohama Max von Brandt das preußische Konsulat. Er war der Sohn des Offiziers und Schriftstellers Heinrich von Brandt. Dessen Buch „Grundzüge der Taktik der drei Waffen“ lag in japanischer Übersetzung vor. Max von Brandt hatte ebenfalls eine militärische Kariere absolviert und war der Expedition des Grafen zu Eulenburg attachiert gewesen. Er wurde 1867 Geschäftsträger und nach Gründung des Kaiserreiches 1871 erster deutscher Ministerresident in Japan. Dort war Ende 1867 das Shogunatssystem beseitigt worden. Die Alleinregierung lag nun wieder beim Kaiser. Er nahm seinen Sitz in Edo, das Tokio (Hauptstadt im Osten) genannt wurde. Am 8. Februar 1868 erfolgte die Anerkennung der Verträge mit den fremden Mächten durch den Kaiser. Bald darauf wurden diplomatische Missionen im Ausland errichtet, auch in der preußischen Hauptstadt Berlin.          

Bereits im Jahre 1862 hatte eine japanische Delegation auf einer Europareise Berlin einen Besuch abgestattet und war mit allen Ehren von König Wilhelm I. empfangen worden. Im Jahr darauf wurde Otto von Bismarck preußischer Regierungschef. Ihm gelang nach drei Kriegen gegen Dänemark, Österreich und Frankreich die Einigung der deutschen Staaten. Am 18. Januar 1871 wurde das Deutsche Reich gegründet mit Wilhelm I. als Kaiser. Für die auswärtigen Angelegenheiten des Reiches war das aus dem preußischen Außenministerium gebildete Auswärtige Amt unter Leitung eines Staatssekretärs zuständig.

Die Errichtung der japanischen diplomatischen Vertretung in Berlin

Artikel 2 des preußisch-japanischen Freundschafts-, Handels- und Schiffahrtsvertrages vom 24. Januar 1861 bestimmte die Herstellung diplomatischer und konsularischer Beziehungen. Hisanobou Sameshima, der Gesandte in Paris, akkreditierte sich zusätzlich am 25. November 1870 als Geschäftsträger und am 29. November 1872 als Ministerresident in Berlin. Bei seinen Besuchen wohnte er im „Hotel de Rome“.

Hisanobou Sameshima übersandte im Juni 1874 aus Paris dem Staatssekretär Bernhard von Bülow im Auswärtigen Amt eine Kopie und eine französische Übersetzung des Kreditivs, in dem er zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister des Kaisers von Japan beim deutschen Kaiser ernannt wurde. Am 14. September 1874 teilte er aus Dieppe dem Staatssekretär mit, die Ärzte hätten ihm aus gesundheitlichen Gründen eine Reise nach Berlin verboten. Am 9. November 1874 traf im Amt ein Schreiben ein, in dem Max von Brandt die Ernennung von Shuzo Aoki als Gesandter in Berlin ankündigte. Er war der Sohn des Arztes Kuronaka Miura aus der Provinz Yamaguchi und vom Aoki-Clan adoptiert worden. Am 11. Oktober 1870 hatte er sich als dritter japanischer Student an der Friedrich-Wilhelms-Universität immatrikuliert.

Nach einer Mitteilung Bernhard von Bülows an Kaiser Wilhelm I. habe sich Aoki „neben einer gediegenen wissenschaftlichen Bildung, eine perfekte Kenntnis der deutschen Sprache und eine für einen Ostasiaten seltene Vertrautheit mit deutschen Verhältnissen angeeignet“. Sicher hat auch die Liebe zum pommerschen Edelfräulein Elisabeth von Rhade zu dieser Vertrautheit beigetragen. Es war wohl die erste Ehe, die zwischen einem Japaner und einer Deutschen geschlossen wurde. Kaiser Wilhelm I. empfing Shuzo Aoki am 16. Dezember 1874 im Palais Unter den Linden zur Übergabe des Beglaubigungsschreibens. Er war zunächst bis 1886 und dann wieder von 1892 bis 1897 Gesandter in Berlin. Das erste Quartier war im Haus Voßstraße 7, in der zweiten Amtszeit diente das Haus des Bankiers David Kappel Tiergartenstraße 15 als Kanzlei und Wohnung. Die Feste des Diplomatenpaars anläßlich des Geburtstags des Kaisers von Japan in der Residenz waren legendär. Shuzo Aoki diente seinem Land noch als Außenminister und Botschafter in den USA. Er starb in Tokio am 17. Februar 1914. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung schrieb dazu, die Trauer über sein Hinscheiden gelte „nicht nur dem verdienten Staatsmanne, sondern auch dem bewährten Freunde Deutschlands.“ Seine Witwe kehrte in ihre Heimat zurück und starb am 5. April 1931 in München. Die einzige Tochter Hanna war seit 1904 mit dem deutschen Diplomaten Alexander von Hatzfeldt verheiratet. Ihnen gehörte die Besitzung Klein-Peterwitz in Schlesien. Ihre Tochter Hissa heiratete 1927 den Arzt Erwin von Neipperg. Das Paar hatte vier Kinder. In Japan erinnern an Shuzo Aoki sein Landhaus und eine Brauerei.

Die japanische Mission wurde 1906 zur Botschaft. Der Gesandte Katsunosuke Inoue überreichte am 6. März 1906 Kaiser Wilhelm II. das Beglaubigungsschreiben als erster außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter Japans in Deutschland. Residenz und Kanzlei befanden sich damals in der Villa Tiergartenstraße 16, sie wurden 1912 in das Palais Königsplatz 4 neben dem Reichstagsgebäude verlegt. Am 23. August 1914 erklärte Kaiser Yoshihito Deutschland den Krieg. Damit endete die erste Phase der amtlichen Beziehungen, andere gemeinsame Traditionen blieben bestehen.

Wissenschaftliche Beziehungen

Der bedeutendste wissenschaftliche Austausch zwischen Deutschland und Japan war anfangs auf dem Gebiet des Gesundheitswesens. Nach der Öffnung des Landes kamen auf Vermittlung von Max von Brandt 1871 der Oberstabsarzt Leopold Müller und der Marinestabsarzt Theodor Eduard Hoffmann nach Japan, wo sie drei Jahre blieben. Ihnen folgten andere Mediziner sowie Botaniker, Zoologen und Lehrer.

Nach Deutschland kamen hauptsächlich Studenten aus Japan, um an den Hochschulen und Spezialinstituten zu lernen. Dabei hatte die Medizin die größte Bedeutung. Kenzo Akaboshi gilt als erster japanischer Student in Deutschland. Angeblich hat er ab 1866 in Heidelberg Medizin studiert und im Krieg gegen Frankreich als Militärarzt in der preußischen Armee gedient. Danach kehrte er in seine Heimat zurück und wirkte als Professor an der Universität Tokio und Krankenhausdirektor in der Präfektur Miyagi.

Die ersten drei japanischen Studenten an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität immatrikulierten sich zum Wintersemester 1870: Susumu Sato, Sankei Hagiwara und Shuzo Aoki. Sie hatten schon zuvor in Japan medizinische Studien betrieben und sich Kenntnisse von Europa angeeignet. Ihre Regierung hatte sie nach Berlin geschickt, um ihr medizinisches Wissen auf den neuesten Stand zu bringen. Das Gesundheitswesen der preußischen Hauptstadt hatte damals Weltruf. Die ersten beiden genannten Japaner promovierten auch in Deutschland, während sich der dritte den Rechtswissenschaften widmete und später in den auswärtigen Dienst trat. Die japanischen Studenten lernten aber nicht nur in Deutschland, sie vermittelten hier auch Wissen über ihre Heimat.

Am 27. Oktober 1887 wurde an der Berliner Universität das Seminar für Orientalische Sprachen eröffnet. Es sollte durch theoretische Vorträge und praktische Übungen in Türkisch, Arabisch, Persisch, Japanisch, Chinesisch und indischen Idiomen Kenntnisse vermitteln und Dolmetscher für den diplomatischen Dienst heranbilden. Dazu würde für jede Sprache ein mit den Landesverhältnissen und der Landessprache vertrauter deutscher Lehrer bestellt und ein „aus den Eingeborenen des Landes entnommener Assistent beigegeben.“ Erster deutscher Japanischlehrer wurde Rudolf Lange, der vorher in Tokio Lektor für Deutsch, Latein und Geographie gewesen war. Er gilt als Begründer der Japanologie in Deutschland und verfaßte das erste Lehrbuch der japanischen Umgangssprache sowie eine Einführung in die japanische Schrift. Erster japanischer Lektor am Seminar war der Philosophiestudent Tetsujiro Inoue. Analog der zunehmenden militärischen Stärke Japans besuchten bis zum Ersten Weltkrieg immer mehr deutsche Offiziere das Seminar für Orientalische Sprachen.

Militärwesen    

Eine militärische Kooperation gab es wegen der Abschottung Japans erst nach der Öffnung des Landes. Eine Einladung zum Besuch der preußischen Waffenschmiede von Friedrich Krupp in Essen hatte die japanische Delegation 1862 noch ignoriert. Einige Jahre später verkaufte die Firma Hartmann & Lehmann dann Waffen an den Territorialherrn von Wakayama. Große Bedeutung für Japan erlangte der preußische Offizier Jakob Meckel. Der gebürtige Kölner hatte die Kriege gegen Österreich und Frankreich mitgemacht und war seit 1871 Lehrer an der Kriegsschule in Hannover, wo er Lehrbücher über Strategie und Taktik publizierte. Ende 1876 wurde er nach Berlin versetzt. Beim Besuch einer japanischen Delegation unter Leitung des Kriegsministers Iwao Oyama in Deutschland im September 1884 kam die Entsendung eines erfahrenen Offiziers an die Kriegsakademie in Tokio zur Sprache. Jakob Meckel blieb dort drei Jahre und wirkte an der Umstrukturierung der japanischen Armee nach preußischem Vorbild mit. Nach ihm kamen weitere deutsche militärische Berater nach Japan.

Jacob Meckel brachte viele Kunstwerke mit aus Japan nach Berlin, die in das Museum für Asiatische Kunst gelangten. In der Heimat bildete er auch japanische Offiziere aus und betreute Generalstabschef Gentaro Kodama bei seinem Besuch in Deutschland. Im Jahre 1897 zog sich Jacob Meckel ins Privatleben zurück und starb am 5. Juli 1906 in seinem Haus Goerzallee 6 in Berlin-Lichterfelde. Dort erinnert eine Gedenktafel an den „Instrukteur der Kaiserlich-Japanischen Armee“. Sie ziert ein Schwert, das er als Abschiedsgeschenk vom stellvertretenden Kriegsminister Taro Katsura erhalten hatte. Im Garten der Kriegsakademie in Tokio wurde 1912 ein Denkmal mit der Büste von Jakob Meckel enthüllt. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs endete zunächst auch die militärische Kooperation zwischen Japan und Deutschland.