Ein Bericht unseres Mitglieds Jürgen Maeno, der zusammen mit seiner Frau Yoriko und seiner Tochter Erika auf Shikoku lebt.

Kurz vor den Winterferien gibt es in Takamatsu ein Treffen der JDG-Kagawa. Ich bin ein wenig aufgeregt, denn ich habe ein kleines Christmas-Programm vorbereitet: einige englische und deutsche Weihnachtslieder. Auch Erika, meine achtjährige Tochter, wird singen. Es ist schon unser dritter Auftritt in dieser Adventszeit.

Bevor es los geht, spielen wir aber Brettspiele. In der 2. Etage wurde ein großer Raum zum Spielen eingerichtet. Die Regale sind über und über mit Boxen gefüllt. Ich lese: Die Siedler von Catar, Quacks&Co, Dorf-Romantik (Sakura). Eine große Anzahl deutscher Spiele; einige sind noch originalverpackt. Die sollen wohl verkauft werden? Japan ist so bekannt für Computergames. Mit Brettspielen entwickelt sich wohl eine Nische oder ein Gegentrend? Wir haben jedenfalls Spaß.

Mitglieder spielen Brettspiele

 

 

 

Nach einer Stunde wechseln wir den Raum und kommen in den Festsaal. Also eigentlich ein Co-Working-Space mit angeschlossener Küche und langer Theke. Es duftet nach Pizza und Kartoffelsuppe. Im Fenster hängen schon die Japan- und die Deutschlandflagge. Nach einem kurzen Vortrag über das Bierfest in Marugame im letzten Sommer, wird geschmaust. Danach beginnt unser kleines Konzert: Kling Glöckchen, Lasst uns froh und munter sein, Feliz Navidad. Erika stiehlt mir die Show. Ich konzentriere mich auf die Gitarre – Vaterstolz.

Mitglieder zu Tisch mit Musikbegleitung durch Gitarre

 

Mitte Januar lädt Felix nach Shinohe. Mit seiner Frau Midori führt er das Café „neko to negi“. Irgendwo in den Bergen an einem See, wo sich Makaken und Tanukis „Gute Nacht“ sagen. In der WhatsApp-Gruppe „Stammtisch“ hatten wir lange einen Termin gesucht. Es ist der Versuch, alle Deutschen aus Kagawa zusammenzubringen. Und es hat geklappt. Da sitzen nun Christian, Thorsten, Vincent, Jürgen, Marius und Felix. Wir tauschen uns über Mohnkuchenrezepte aus. Unsere japanischen Frauen lästern lautstark über deutsche Männer und die Kinder spielen irgendwie, irgendwo, irgendwas. Ich bin mir nicht sicher, was uns mehr verbindet: dass wir seit kurzem in Japan leben oder dass wir aus Deutschland kommen. Und auch den anderen ist das egal. Wir hängen nicht die Deutschlandflagge auf, sondern freuen uns über die sächsischen Räuchermännchen und die alten DDR-Tassen mit dem schönen Muster. Wir singen nicht „Freude schöner Götterfunken“, dafür singe ich meine alten Lieder über Mecklenburg und das Warten an der Kasse. Und ich habe das Gefühl: wenn es mal gar nicht mit den Japanern funktioniert, dann kann ich jeden von den Jungs anrufen und bin nicht allein mit meiner Meinung. Heimat ist mehr als ein Land.