NAIKAN – ein japanischer Weg zur Selbsterkenntnis
Vortrag von Herr Prof. em. Akira Ishii
In einer Zeit, in der Selbstoptimierung, Leistungsdruck und permanente Erreichbarkeit den Alltag vieler Menschen prägen, wächst gleichzeitig das Bedürfnis nach Orientierung, innerer Ruhe und einem tieferen Verständnis des eigenen Lebens.
Genau hier setzt eine in Europa noch wenig bekannte, in Japan jedoch seit Jahrzehnten etablierte Praxis an: NAIKAN – eine strukturierte Methode der Selbstreflexion, die einen ungewöhnlichen Blick auf Beziehungen, Verantwortung und persönliche Entwicklung eröffnet. Unser Vortrag im Forum widmet sich dieser besonderen Methode und lädt dazu ein, NAIKAN kennenzulernen.
Was bedeutet NAIKAN?
Der Begriff „NAIKAN“ lässt sich mit „Innenschau“ oder „nach innen schauen“ übersetzen. Gemeint ist eine systematische Form der Selbstbetrachtung, die ab den 1940er-Jahren vom japanischen Unternehmer und buddhistisch geprägten Denker Ishin Yoshimoto entwickelt wurde. Ziel war keine religiöse Praxis, sondern eine alltagstaugliche Methode, die Menschen helfen sollte, ihr Leben besser zu verstehen, Beziehungen zu reflektieren und persönliche Reife zu entwickeln.
Anders als viele westliche Ansätze der Persönlichkeitsentwicklung fragt NAIKAN nicht danach, wie wir erfolgreicher, durchsetzungsfähiger oder selbstbewusster werden. Stattdessen richtet sich der Blick auf etwas oft Übersehenes: die Beiträge anderer Menschen zu unserem Leben, die eigene Verantwortung in Beziehungen und die Entwicklung von Dankbarkeit und Empathie.
Diese Perspektive wirkt zunächst ungewohnt – gerade deshalb kann sie tiefgreifende Einsichten ermöglichen.
Die drei Fragen im Zentrum der Methode
Das Herzstück von NAIKAN bilden drei einfache, zugleich erstaunlich wirkungsvolle Fragen. Sie werden stets auf eine konkrete Person bezogen – etwa Eltern, Partner, Kolleginnen oder Freunde:
Was hat diese Person für mich getan?
Was habe ich für diese Person getan?
Welche Schwierigkeiten habe ich dieser Person bereitet?
Bemerkenswert ist, wonach nicht gefragt wird: nämlich, was andere uns angetan haben. Diese bewusste Auslassung lenkt die Aufmerksamkeit weg von Schuldzuweisungen und hin zur eigenen Wahrnehmung, Verantwortung und Beziehungsgestaltung.
Für Viele führt das systematische Durchdenken dieser Fragen zu einer neuen Sicht auf ihr Leben – häufig verbunden mit mehr Gelassenheit, Verständnis für andere und einem realistischeren Selbstbild.
Zwischen japanischer Tradition und moderner Persönlichkeitsentwicklung
Historisch ist NAIKAN in der japanischen Kultur verwurzelt, insbesondere im Shin-Buddhismus. Gleichzeitig handelt es sich bewusst nicht um eine religiöse Praxis mit Glaubenssätzen oder Ritualen.
In Japan wird die Methode in sehr unterschiedlichen Kontexten eingesetzt: in der Erwachsenenbildung, in Unternehmen, in der Sozialarbeit und sogar im Strafvollzug. Auch im Westen wächst seit einigen Jahrzehnten das Interesse an dieser Form der Selbstreflexion. Zahlreiche NAIKAN-Zentren sind entstanden, darunter mehrere im deutschsprachigen Raum.
Einladung zum Kennenlernen
Der Vortrag „NAIKAN – Ein japanischer Weg zur Selbsterkenntnis“ bietet eine seltene Gelegenheit, diese besondere Methode näher kennenzulernen. Wer offen ist für neue Perspektiven auf persönliche Entwicklung, Beziehungen und Selbstreflexion, wird hier wertvolle Impulse finden.
Referent: Herr Prof. em. Akira Ishii
Herr Akira Ishii hat NAIKAN beim Begründer (Herrn Yoshimoto) kennengelernt und praktiziert NAIKAN seit über 50 Jahren. Seit über 40 Jahren setzt es sich weltweit für NAIKAN ein, hält Vorträge und führt NAIKAN-Seminare durch.
Am Mittwoch, den 8. April ist ein „Tages-NAIKAN“ zum praktischen Erleben geplant – Infos zum Tages-NAIKAN finden Sie unter: http://forum-bez.de/unsere-foren/forum-naikan/
Termin des Vortrages: Dienstag, 07. April 2026 um 18 Uhr
Ort: Japanisch-Deutsches Zentrum Berlin, Saargemünder Str. 2, 14195 Berlin