Tokio – Eine wunderbare Katastrophe

Zur Architektur der japanischen Hauptstadt

Ein Vortrag von Ulf Meyer am 17.11.26 um 18 Uhr im JDZB

Tokio ist eine faszinierende, überwältigende Metropole, die man erleben muss.  Mit rund 32 Millionen Menschen ist der Großraum Tokio eine der größten Metropolregionen der Welt – ein Labor für die urbane Zukunft der Menschheit. Die Stadt scheint grenzenlos und geht nahtlos in ihre Nachbarstädte über.

 

©Wolf-Dieter Gericke

 

Tokios Architektur ist geprägt von extremer Dichte, hohen Grundstückspreisen und wiederholter Zerstörung. Erdbeben und Bombenangriffe haben eine Baukultur entstehen lassen, in der Vergänglichkeit wichtiger ist als Beständigkeit.

Die Architektur entwickelte sich aus der Begegnung westlicher Einflüsse mit traditionellen Bauweisen. Besonders die Metabolisten der 60er-Jahre schufen eine Architektur, die Veränderung und Erneuerung zum Prinzip erhob. Spätere Jahrzehnte brachten spektakuläre Betonbauten, Kulturgebäude und Markenarchitektur hervor.

Trotz seiner Hochhäuser bleibt Tokio vielerorts kleinteilig: schmale Türme, winzige Häuser und ein dichtes Geflecht aus Straßen prägen das Stadtbild. Große Plätze, Achsen und eine einheitliche Stadtplanung fehlen. Stattdessen bestimmen Grundstücksgrenzen, Bahnlinien und wirtschaftliche Interessen die Entwicklung. Tokio ist eine Stadt ohne Form und ohne Anspruch auf Dauerhaftigkeit. Hier triumphiert Spontaneität über Planung, Vielfalt über Einheit und Veränderung über Bewahrung. Gerade darin liegt ihre Faszination.

 

Der Referent, der Berliner Architekturjournalist Ulf Meyer, stellt an dem Abend erstmals die Neuauflage des Buches „The Architecture of Tokyo“, Edition Axel Menges, vor.

 

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