Manga-News

Manga-Begeisterung im Spreewald – jetzt auch online

 

 
 
 
 
 

1.11.2020 , Kirsten Hoheisel, Vorstandsmitglied der DJG Berlin

Schon bei meinem ersten Besuch im „Gladhouse“ in Cottbus (wir berichteten) war mir klar, dass es in dieser Region Brandenburgs viele junge Menschen gibt, die sich ganz allgemein für japanische Popkultur, speziell für Manga und Anime begeistern. Ich war erstaunt, wie gut die Organisation und technische Umsetzung in den dortigen Jugendeinrichtungen funktionierte. Diese Erfahrung wiederholte sich, als die DJG eine Anfrage vom multikulturellen „Kulturhof Lübbenau e.V.“ erhielt. Ob wir wohl aus Berlin auch nach Lübbenau für einen Manga-Workshop kommen könnten? Können wir! Persönlich und aus der Ferne, doch dazu später mehr.

Die dortigen Projektleiter Susann und Frank hatten ähnlich wie im „Gladhouse“ alles perfekt vorbereitet. Und so reiste ich zunächst am 16.10.2020 nach Lübbenau, wo wir im AWO Bildungszentrum unter besonderen Hygienevorschriften (dauerhaftes Tragen einer Mund- und Nasenbedeckung, 1,50 Meter Abstand, permanente Belüftung) mit den jugendlichen Teilnehmern den Workshop starteten. Einleitend will ich mehr über die Teilnehmer erfahren. Alle begeistern sich für die unterschiedlichsten Facetten der japanischen Popkultur. Das Zeichnen von Manga haben sie schon probiert oder können es bereits sehr gut. Einige Jugendliche cosplayen gerne. Sie haben sich auch vor der Corona-Pandemie mit anderen Cosplayern bei Events präsentiert. Das sei nun erstmal vorbei, erzählt mir ein Mädchen. Jetzt treffe man sich manchmal noch zum Quatschen. Während ich über die kulturelle Entwicklung der Manga-Kultur spreche, sind meine Teilnehmer schon mittendrin im Geschehen und es entstehen ganz persönliche Kunstwerke. Ein Junge, der mit seiner Familie aus Köln seine Ferien im Spreewald verbringt, erzählt mir: „Bisher haben wir nichts Aufregendes gemacht, nur Kraniche beobachtet…“ Hier tauscht er sich mit Gleichgesinnten nun munter über seine Lieblings-Animeserien aus. Ganz klar, dass die wenigen Stunden des Workshops dann schnell um sind. Doch ich verspreche, nächste Woche wieder nach Lübbenau zu kommen, um diesmal über die Bedeutung japanischer Schriftkultur im Manga zu sprechen. Dieses Versprechen kann ich nur teilweise einlösen, denn die Pandemie-Situation verschärft sich zwischenzeitlich derartig, dass Susann, Frank und ich uns darauf einigen, den nächsten Workshop online abzuhalten.

 Für mich eine Premiere! Nach einigen Technikproben ist am Freitag, den 23.10.2020 nun Frank mit einigen Teilnehmern auf der einen Seite in Lübbenau und ich auf der anderen Seite in Berlin. Wie es gelaufen ist? Ich hatte geduldige Workshop-Teilnehmer und den technikversierten Leiter Frank, der die kleineren Technikpannen wunderbar überbrücken konnte. Als ich mich nach einer Mittagspause zum Ende des Workshops wieder einlogge, um die Bedeutung von einzelnen Kanji zu erklären, die im Manga und Anime vorkommen, sehe ich völlig im Zeichnen versunkene junge Menschen, deren fertige Werke ich nun über die Kamera bewundern kann.  Mein Fazit: Die Online-Version von Workshops kann einen physischen Workshop sicher nicht dauerhaft ersetzen. Sie eröffnet aber ganz neue Möglichkeiten, wenn man sich darauf einlässt. Das dürfte auch meine ganz persönliche Erfahrung in diesem Jahr sein. Denn das Wissen, welches ich in kürzester Zeit zu diesem Thema erworben habe, ist schon etwas, auf das ich als Mittfünfzigerin ein wenig stolz bin.

 

Kirsten Hoheisel – 1.11.2020

(Vorstandsmitglied der DJG Berlin)

Die „Junge Gruppe“ beim Projekttag „Japan-Heimat des Manga“ an der

Regine-Hildebrandt-Gesamtschule am 05.10.2018

Schon einmal besuchten wir im Frühjahr 2018 den Profilkurs „Manga“ der Regine-Hildebrandt-Gesamtschule. Schüler*innen der Schule hatten sich mit der spannenden Geschichte „Monsterblut“ am 7. Manga-Wettbewerb der DJG beteiligt.

Bei unserem ersten Besuch der Inklusionsschule trafen wir auf viel Engagement der Kursleiterin Frau Bärmann, die mit Leidenschaft den Schüler*innen einmal wöchentlich das Thema Manga und Anime vermittelt (wir berichteten darüber im Kawaraban Juli/August 2018). Schnell war damals klar, dass wir gemeinsam ein Projekt veranstalten wollten.

Dieses wurde am 05.10.2018 nun Wirklichkeit. Unter dem Motto „Japan-Heimatland des Manga“ vermittelte ich gemeinsam mit Mitgliedern der „Jungen Gruppe“ der DJG und Frau Bärmann nicht nur das Thema Manga und Anime, sondern auch Elemente der japanischen Kultur.       

 Es war eine Premiere im besonderen Sinne: Die „Junge Gruppe“, welche aus jungen Leuten (Schülern, Studenten, Berufstätigen) besteht, gründete sich im Sommer 2018, um unseren Mitgliedern auf  der Homepage und im Kawaraban das „Junge Japan“ in Form von Berichten über die Kultur Japans aus jugendlicher Sicht näher zu bringen. Doch nicht nur das. Wir möchten als Teil der DJG durch Projekte an Schulen bestimmte Aspekte der Kultur Japans vermitteln.

Während  ich einem Teil der Gruppe von Schüler*innen zwischen 12 und 16 Jahren die Grundlagen des Manga-Zeichnens erklärte, weihten die Studenten des Fachs Japanologie der FU und Mitglieder der „Jungen Gruppe“ Herr Christoph Obst und Herr Klaus Wilhelm Nettmann die Schüler*innen in die Geheimnisse der japanischen Schrift ein.

Als wir um 8.00 Uhr unser Projekt starteten, war alles von Frau Bärmann bestens vorbereitet. Uns standen zwei Klassenräume zur Verfügung, jeweils mit Smartboards versehen. Insgesamt 28 Schüler*innen samt Betreuerinnen warteten bereits gespannt.

Zunächst stellten wir unsere Gesellschaft vor und erzählten von unserem Bestreben, die Kultur Japans vor allem jüngeren Menschen näher zu bringen. Mit von uns entwickelten Arbeitsvorlagen konnte nun die eine Gruppe nach Herzenslust ein Gesicht im Manga-Stil zeichnen, während die zweite Gruppe parallel lernte, wie man den eigenen Vornamen japanisch schreibt.

Um 10.30 Uhr erfolgte dann der Wechsel der Gruppen. Um ca. 13.00 Uhr kamen beide Gruppen wieder zusammen, um gemeinsam den Film „A Silent Voice“ zu sehen. Wir trafen mit dem von uns ausgesuchten Film offensichtlich genau den Nerv der Schüler*innen.

Das Thema Mobbing und Inklusion, welches in diesem Anime auf meisterhafte Art sensibel thematisiert wurde, fesselte die meisten der anwesenden Schüler*innen. Auch für Mittagessen auf japanische Art wurde gesorgt. Frau Bärmann organisierte Onigiri für alle, sodass um 15.00 Uhr der Projekttag mit vielen Eindrücken für uns endete.

Für uns Studenten war der Tag besonders interessant. Nicht nur daher, weil unsere eigene Schulzeit noch nicht so weit zurückliegt und wir uns an vieles daraus erinnerten, sondern auch die Erfahrung, Schülern*innen einen Einstieg in die japanische Sprache zu bieten. Dadurch wurde es ein besonderer Tag.

Vor allem durch die Begeisterung der Schüler*innen machte das Unterrichten sehr viel Spaß. Durch ihre Fragen und unterschiedlichen Haltungen wurden auch wir immer wieder herausgefordert und gewannen neue Perspektiven. Daher wurde auch nach

dem Gruppenwechsel der Unterricht für uns nicht langweilig, obwohl wir ja für beide denselben Unterricht vorbereitet hatten. Die Inklusionsschüler*innen arbeiteten sehr motiviert mit und auch die Betreuerinnen zeigten eine Begeisterung für Japan und die japanische Sprache, die wir so nicht erwartet hatten.

Auch die Zusammenarbeit mit Frau Bärmann sollte an dieser Stelle noch einmal lobend erwähnt werden. Die von uns ausgesuchten Unterlagen waren schon in entsprechenden Mappen an die Schüler*innen verteilt worden. In den Klassenräumen hatten wir alles, was wir für unseren Unterricht brauchten. Nachdem sich herausstellte, dass es nicht so einfach ist, mit einem gewöhnlichen Stift Kanji zu schreiben, ging Frau Bärmann kurzerhand los und besorgte für jeden Schüler einen Kalligraphie-Stift. Dieses Engagement beeindruckte uns sehr und der Unterricht hätte ansonsten weniger gut funktioniert.

Am Ende des Tages waren wir uns einig, dass dieser Tag eine sehr wertvolle Erfahrung war und wir gerne bereit sind, in ähnlicher Form noch einmal unsere Kenntnisse zu vermitteln.

Kirsten Hoheisel, Christoph Obst, Klaus Wilhelm Nettmann