Manga-News

News Oktober

Auf den Spuren von Fujiko Fujio

Hinter diesem ungewöhnlichen Künstlernamen verbirgt sich ein erfolgreiches Manga-Zeichner-Duo, das sowohl gemeinsam als auch getrennt ein umfangreiches Werk geschaffen hat. Beide Zeichner wurden Anfang der 1930er Jahre in der Präfektur Toyama geboren – Hiroshi Fujimoto in Takaoka und Motoo Abiko in Himi auf der Noto-Halbinsel. Sie lernten sich bereits in der Schulzeit kennen und liebten die Arbeiten von Osamu Tezuka (in Deutschland bekannt durch u. a. „Tetsuwan Atomu“ = „Astro Boy“ und „Buddha“). Während ihrer Schulzeit (1951) veröffentlichten sie ihr erstes gemeinsames Werk („Tenshi no Tama-chan“) und hatten noch im gleichen Jahr Gelegenheit, ihr großes Vorbild Tezuka in Takarazuka zu treffen. Nur zwei Jahre später schlossen sich beide unter dem Künstlernamen Fujiko Fujio zusammen. Ein Beispiel für diese Zusammenarbeit ist die Geschichte vom Geist Q-Tarô (japanisch: „Obake no Q-Tarô“), die in den 1960er und 1970er Jahren zunächst als Manga erschien und danach als Anime im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Seit 1987 gingen beide beruflich getrennte Wege: Fujimoto unter dem Namen Fujiko F. Fujio und Abiko als Fujiko Fujio (A).

Einige Charaktere wurden international bekannt, wobei die blaue Roboter-Katze Doraemon – ins Leben gerufen von Fujiko F. Fujio – vermutlich der bekannteste unter ihnen ist. Doraemon wurde aus dem 22. Jahrhundert in unsere Zeit geschickt, um hier dem Schüler Nobita bei Problemen beizustehen. Doraemon mag besonders die japanische Süßigkeit Dorayaki und wird damit oft zum Mitwirken überredet. Aus seiner Bauchtasche kann er allerlei magische Objekte hervorholen, die bei der Bewältigung der Probleme helfen sollen. Meist wird dadurch zunächst alles schlimmer und alle geraten in einen Strudel von Ereignissen. So erleben Doraemon, Nobita und seine Freunde seit 1969 unzählige rasante Abenteuer in Manga und Anime.

Beide Manga-Künstler sind in Japan sehr beliebt und hochgeschätzt. So kann man in den Geburtsstädten der beiden – Takaoka und Himi – an vielen Plätzen ihre Figuren finden. In Takaoka gibt es z. B. eine Straßenbahn im Doraemon-Design und einen Figurenpark mit Doraemon und all seinen Freunden. In der Fujiko F. Fujio Hometown Art Gallery kann man sich ausführlich über das Leben und Schaffen von Fujiko F. Fujio informieren. Auch in Himi findet man viele Spuren – hier mit Schwerpunkt auf Fujiko Fujio (A). So ist z. B. eine Einkaufsstraße mit seinen Figuren geschmückt und verbreitet eine fröhliche Sommerferien-Stimmung. Auch hier gibt es eine interessante Art Gallery zum Schaffen des lokalen Künstlers. Fujiko F. Fujio verstarb 1996 im Alter von 62 Jahren in Tokyo. Doch auch nach seinem Tod wurde sein Werk weitergeführt.

So gibt es auch heute noch neue Geschichten von Doraemon, Nobita und ihren Freunden. Doraemon wird in Japan zudem gern – ähnlich wie Hello Kitty – als Werbeträger mit speziellen Attributen der jeweiligen Region verwendet. Darüber hinaus gibt es lehrreiche Bücher für Groß und Klein, in denen Doraemon als Vermittler nützlicher Inhalte in Erscheinung tritt.
Da Fujiko F. Fujio sehr lange in Kawasaki gelebt und gearbeitet hat, wurde hier im September 2011 ein spezielles Fujiko F. Fujio Museum eröffnet. Das Museum bietet eine Ausstellung zum Leben und Werk des Künstlers, ein kleines Kino, einen Park mit den Charakteren seiner Geschichten und ein Café, das liebevoll geschaltete Gerichte und Getränke anbietet, die ganz den Figuren – vor allem Doraemon – gewidmet sind. Wer dieses Museum besuchen will, sollte dies allerdings vorher planen, da die tägliche Besucherzahl begrenzt ist. Es gibt vier feste Einlasszeiten und die entsprechenden Eintrittskarten sind vorher an speziellen Vorverkaufsstellen zu erwerben. Ein Erlebnis ist es auf jeden Fall. Bei Anreise über die JR Bahnstation Noborito kann man einen besonderen Shuttle-Bus (kostenpflichtig) nutzen, der den Museumsbesucher bereits durch seine Gestaltung auf das Thema einstimmt. Kinder im Allgemeinen und Manga-Fans im Besonderen werden ihre Freude daran haben.

Weitere Informationen unter:
Fujiko F. Fujio Hometown Art Gallery in Takaoka (Präfektur Toyama): http://fujiko-artgallery.jp/ (Sprachen: Japanisch und Englisch)
Manga-Welt von Fujiko Fujio (A) in Himi (Präfektur Toyama): http://himi-manga.jp/ (Sprache: Japanisch)
Fujiko F. Fujio Museum in Kawasaki (Präfektur Kanagawa): http://fujiko-museum.com/ (Sprachen: Japanisch, Englisch und Chinesisch)

Autorin: Dr.Verena Materna

 

 

News Juli/August

Besuch des Profilkurses „Manga“ der Regine-Hildebrandt-Gesamtschule in Birkenwerder

Am 17.04.2018 besuchten wir die Schülerinnen und Schüler des Profilkurses „Manga“ unter der Leitung von Frau Nicole Bärmann. Im vergangenen Jahr hatte sich der Kurs mit der spannenden Geschichte „Monster Blut“ am 7. Manga-Wettbewerb der DJG Berlin beteiligt. Dafür erhielten die beteiligten Schülerinnen einen Sonderpreis. Die aktuell 16 SchülerInnen der 7. und 8. Klasse treffen sich einmal wöchentlich, um für 90 Minuten im Manga-Kurs mehr über diese typisch japanische Zeichenkunst zu erfahren. Frau Bärmann ist selbst ein großer Manga-Fan und vermittelt ihren Schützlingen ihre Leidenschaft in einer erfrischend jugendlichen Art mit viel Geduld und Freude – und das ehrenamtlich nach ihrer Arbeit als Sekretärin.

Natürlich hatten wir viele Fragen an sie und die SchülerInnen. So wollten wir z. B. wissen, welche Mangas die KursteilnehmerInnen lesen und welche Animes sie gern schauen: „Tokyo Ghoul, Attack on Titan und Naruto“ wurde uns spontan geantwortet. Frau Bärmann selbst hat unzählige Mangas gelesen und stellt einige auch den SchülerInnen per Ausleihe zur Verfügung. Für die meisten SchülerInnen war der Profilkurs, welchen es hier seit 2013 gibt, die erste Wahl. Noten werden im Kurs nicht erteilt, dafür gibt es ein Teilnahmezertifikat. Das pädagogische Konzept hat Frau Bärmann selbst erarbeitet. Für den Unterricht hat sie zudem viele Materialien zusammengetragen, die von den SchülerInnen gern genutzt werden, z. B. Lehrbücher zu den Manga-Zeichentechniken. Sie erklärt den Unterschied von Shonen- und Shojo-Manga, hat Hefter mit Arbeitsvorlagen für die SchülerInnen vorbereitet. Darüber hinaus wird über den Inhalt von Animes wie z.B. „Ame und Yuki“ gesprochen. Die Auswertung erfolgt mithilfe von Arbeitsblättern, die Frau Bärmann selbst zusammengestellt hat.

Nachdem wir uns und die Arbeit der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Berlin vorgestellt haben, entwickelte sich nach der typischen, anfänglichen Unruhe im Kurs schnell eine produktive Arbeitsatmosphäre. Als wir den Kurs besuchten, versuchten sich die SchülerInnen gerade am Zeichnen von Gesichtern im Manga-Stil. Frau Tomita konnte dabei helfen, indem sie an der Tafel anhand von zwei Zeichnungen den Aufbau erklärte und wie man unter Nutzung von Hilfslinien die richtigen Proportionen und die richtige Perspektive findet.

 

Was uns auch auffällt: Wir befinden uns in einer Inklusionsklasse. Hier lernen SchülerInnen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen gemeinsam mit anderen – so auch in diesem Kurs. Wir treffen eine ruhige Schülerin im Rollstuhl, welche hochkonzentriert und mit viel Talent ein Manga-Gesicht zeichnet. Natürlich möchten wir so viel Engagement weiter unterstützen und bieten einen ganztägigen Workshop für den Kurs an. „Sehr gerne!“ freut sich Frau Bärmann und wir planen für den Herbst 2018 unser nächstes Treffen. Wir freuen uns darauf!

Autoren: Mutsuko Tomita, Dr.Verena Materna, Kirsten Hoheisel