Junges Japan

Das Mondfest in den Gärten der Welt    von Paul Wobbig

Am Samstagabend, den 22. September wurde bereits zum 18. Mal das chinesische Mondfest in den Gärten der Welt mit einem umfangreichen Programm gefeiert. Neben traditionellen Tänzen und Volksliedern wurde zu Kalligraphie-Workshops, Laternenbasteln und Mondkuchenverkostung eingeladen.

Das Mondfest oder auch Mittherbstfest genannt, gehört zu den wichtigsten Festen in China. Es findet jährlich am 15. Tag des achten Monats nach Berechnung des Mondkalenders statt. 2018 fällt dieser auf den 24. September. Zum Ursprung des Brauches gibt es mehrere Geschichten. Viele haben jedoch gemeinsam: Um das Land vor Austrocknung zu schützen, schoss der Bogenschütze Hou Yi neun von zehn Sonnen vom Himmel. Der letzten befahl er, pünktlich morgens auf- und abends unterzugehen. Von einer Himmelsgöttin bekam er ein Elixier der Unsterblichkeit, welches er seiner Frau Chang’e zur Aufbewahrung gab. Später trank Chang’e aus Not dieses jedoch und stieg zum Mond auf. Aus Trauer stellte Yi jede Nacht  Chang’e´s Lieblingsfrüchte auf einen Tisch. Darauf verbreitete sich die Sitte, welche den Wunsch nach einem glücklichen Leben und dem Dank an den Mond für eine gute Ernte ausdrückt. Heutzutage feiert man das Fest bei einem gemeinsamen Essen mit Verwandten oder Freunden, hängt Laternen auf und verschenkt Mondkuchen mit unterschiedlichen Füllungen.

Auch in vielen anderen Ländern Asiens wird das Fest gefeiert. So hat Japan ebenfalls ein äquivalentes Fest – das Tsukimi (月見). Es setzt sich aus den Kanjis für Mond sowie sehen zusammen und wird dementsprechend auch mit Mondschau übersetzt. Vermutlich wurden während der Heian-Zeit (794–1185) Elemente des Mondfestes aufgenommen und in die eigene Kultur integriert. Anfangs wurde das Fest von Adligen gefeiert. Man betrachtete die Schönheit des Mondes, der im Herbst besonders hell scheinen soll und verfasste Tankas (jap. Gedichtsform) in Begleitung von Musikinstrumenten. Wie in China feiert man das Fest mit Angehörigen und bereitet besondere Speisen vor.

Der offizielle Start der Veranstaltung in den Gärten der Welt war am 22.09.18. Zeitgleich wurde im Besucherzentrum eine Mondkuchenverkostung angeboten. Die Mondkuchen hatten dabei verschiedene Füllungen und wurden in kleinen Stücken serviert. Leider musste man sich für ein weiteres Stück noch einmal anstellen.

In der „Arena“ folgte nach der Eröffnungsrede bis zum großen Finale um etwa 21:30 Uhr weiteres Programm. Die Pekingoper der Provinz Hubei zeigte mehrere Stücke, welche vor allem mythische Themen beinhalteten. Diese wurden unter anderem mit Schwertkämpfen und akrobatischen sowie tänzerischen Einlagen dargestellt. Durch Requisiten wie Peitschen oder Paddeln, welche die Schauspieler bei sich trugen, wurde der Ort oder das Geschehen festgelegt. So bedeutet ein Paddel z.B., dass man in einem Boot auf dem Wasser ist, eine Peitsche, dass gerade geritten wird. Das zweimalige Rennen im Kreis bedeutet, dass man eine lange Entfernung zurückgelegt hat. Außerdem wurden traditionelle Tänze sowie Tanzkunst, chinesische Volkslieder und eine Modenschau mit traditionellen Gewändern gezeigt.

Abseits der Arena gab es um den chinesischen Garten herum kleinere Stände. Hier wurden Kalligraphie-Kurse und Laternenbasteln angeboten. Gebäude, Bäume und Statuen wurden abends in bunte Lichter getaucht. Der große Abschluss des Abends wurde durch den feurigen Drachentanz mit der Sportschule von Meister Lee eingeleitet, welcher die Besucher vom chinesischen Garten zurück zur Arena führte. Der Tanz symbolisierte die Vertreibung von bösen Geistern. Das Finale war eine beeindruckende Lasershow mit Pyrotechnik und Musik.

Das Mondfest in den Gärten der Welt ist durch seine entschleunigte Atmosphäre, dem abwechslungsreichen Programm und der Möglichkeit, neben dem chinesischen auch die anderen Gärten zu besuchen, auf jeden Fall eine Empfehlung wert.

Quellen: Japan Forum 2005: Der Mond in Japan  http://www.dus.emb-japan.go.jp/profile/deutsch/japan_forum/jf_2005/2005_09_jf126_1-2.pdf. 23.09.2018